Fachgespräch mit Staatsekretär Achim Großmann
„Keine A 4 durch Marburg-Biedenkopf“ – darin waren sich fast alle Anwesenden beim Fachgespräch mit Achim Großmann einig. Sören Bartol hatte zur Diskussion mit dem Parlamentarischen Staatssekretär aus dem Bundesverkehrsministerium nach Breidenbach eingeladen. Gekommen waren Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Bürgerinitiativen aus Hessen und Nordrhein-Westfalen, sowie betroffene Bürgerinnen und Bürger aus Breidenbach und Umgebung.
Bürgermeister Werner Reitz (SPD) begann sein Grußwort mit einem Lob: „Das Konjunkturpaket war eine sehr gute Maßnahme und man kann sagen, dass es wirklich im Land angekommen ist!“ Er sprach sich für den Bau der A 4 aus, da Breidenbach ein wichtiger Wirtschaftsstandort sei, der eine bessere Verkehrsanbindung brauche.
Staatssekretär Großmann gab einen Überblick über den Planungsstand. „Der Bundesverkehrswegeplan, der 2003 abgestimmt wurde, gilt noch bis zum Jahre 2015. Dort haben wir den hessischen Teil der A4 als ‚weiteren Bedarf mit besonderem naturschutzfachlichem Planungsauftrag’, also als nachrangig, eingestuft und stattdessen die Wichtigkeit von Ortsumgehungen und entlastenden Maßnahmen wie beispielsweise Überholstrecken betont.“ Die Pläne für die A 4 zielen darauf, die Lücke zwischen Olpe und Hattenbach in der europäischen Autobahnverbindung zwischen Belgien, den Niederlanden über Südwestfalen, Nordhessen, Thüringen und Sachsen bis nach Polen zu schließen.
Großmann hält den Lückenschluss nicht für sinnvoll. „So ein Projekt können vielleicht zukünftige Generationen stemmen. Ich bin für realistische, machbare Lösungen, so zum Beispiel den Ausbau der B 62“.
Einer der Gäste aus Nordrhein-Westfahlen äußerte seine Bedenken in Bezug auf den Bau von Ortsumgehungen: „Nach jeder Machbarkeitsstudie wird die Straße breiter und hat eine Spur und zwei Abfahrten mehr! Am Ende wird aus der Ortsumgehung doch eine Fernstraße.“
Ein Vertreter der Bürgerinitiative gegen die A4 aus Marburg stellte die generelle Sinnhaftigkeit einer Verkehrsplanung, die zu großen Teilen aus für den Individualverkehr ausgerichteten Straßen beruht, infrage: „Es wäre leichtfertig, jetzt so viel Geld für die A4 auszugeben, damit hätten wir eine Festlegung für die nächsten 40 bis 50 Jahre. Wir sollten lieber die Ressourcen schonen anstatt zukünftigen Generationen einen Schuldenberg zu hinterlassen!“
Sören Bartol, stellvertretender Sprecher der Arbeitsgruppe Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, stimmte zu: „Achim Großmann und ich unterstützen die Meinung der Bürgerinitiativen zur A 4. Ich lehne die Südvariante, aber auch die anderen Trassenvarianten ab. Das Gebiet ist ökologisch viele zu sensibel!“ Bartol will sich dafür einsetzen, dass die A 4 auf hessischem Gebiet – wie das nordrheinwestfälische Teilstück bisher schon - in den neuen Bundesverkehrswegeplan, der für 2015 geplant ist, nicht mehr aufgenommen wird. Der Abgeordnete sagte zu: „Solange die SPD im Verkehrsministerium das Sagen hat, wird es keine A 4 in Marburg-Biedenkopf und anderswo geben. Allerdings hängt diese Entscheidung von der Zusammensetzung des künftigen Bundestages ab. Eine andere Regierungskoalition hat in dieser Sache möglicherweise eine andere Meinung und letztlich ist der Bau von Straßen eine politische Entscheidung!“